Interkulturelle Elternarbeit in der Sozialen Stadt


Sprachcafé



Im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt im Gebiet Berchen/Öhmdwiesen hat WiZiK e.V. "Wissen ist Zukunft in Konstanz" die Trägerschaft für zwei Projektstellen mit dem Schwerpunkt "Förderung der Integration durch Interkulturelle Elternarbeit" übernommen.

Das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt fördert die bauliche, infrastrukturelle und soziale Aufwertung so genannter benachteiligter Stadtteile - kurz: es geht um die Verbesserung der Lebensqualität im Hinblick auf eine gelingende Alltagsbewältigung im unmittelbaren Wohnumfeld der Menschen.

In enger Kooperation mit der städtischen Integrationsbeauftragten, die das Projekt entwickelt und beantragt hat, zielt die Projektarbeit in langfristiger Perspektive auf eine Verbesserung der Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund, durch eine stärkere und verbesserte Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Schulen und Eltern im Stadtgebiet.

Die dafür bewilligten Teilzeitstellen, besetzt durch eine Sozialarbeiterin und eine Diplom-Pädagogin, sind zunächst befristet bis Ende 2010. Um die Kooperationen nachhaltig zu verbessern, sollen Veränderungsprozesse eingeleitet werden, die auch über den Förderzeitraum hinaus weiter wirken und durch eine Veränderung und Implementierung von Grundstrukturen langfristig bestehen.

Ausgangslage:
2006 erhobene Daten bestätigen auch für Konstanz die bundesweit konstatierte Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund: jugendliche MigrantInnen sind an höheren Schulen gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil deutlich unterrepräsentiert, was in der Folge zu starken Benachteiligungen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt führt und damit zu fehlenden gesellschaftlichen Teilhabechancen. So wird die Grund- und Hauptschule Berchen von Kindern besucht, die zu über 50 % aus Familien mit Migrationshintergrund, häufig auch aus sogenannten bildungsfernen Familien kommen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass sich Eltern dieser SchülerInnen am Schulleben ihrer Kinder immer weniger beteiligen. Ein stadtweiter "Interkulturelle Elterntag", der in Konstanz 2005 ausgerichtet wurde, bestätigte die Annahme, dass diese Eltern sich nicht ausreichend über das deutsche Bildungssystem informiert fühlen, um ihre Kinder erfolgreich durch das Schulleben zu begleiten. So wird z. B. die Bedeutung der Entscheidung, welche weiterführende Schule das Kind besucht, häufig unterschätzt. Auch beteiligen sie sich weniger an Elternabenden, die sich in der Ansprache und Organisation häufig nur an deutschen Eltern orientieren. Mangelnde Deutschkenntnisse verhindern außerdem eine konstruktive Beteiligung der Eltern. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, das Profil und die Arbeit der Bildungseinrichtungen interkulturell zu öffnen und die interkulturelle Kompetenz der Mitarbeiterinnen weiter auszubauen und zu stärken.

Projektbausteine:
Begonnen wurde im Januar 2008 mit dem "Rucksackprojekt" in zwei Kindertagesstätten - ein Konzept zur Sprachförderung und Elternbildung im Elementarbereich (nähere Informationen zum Rucksackprojekt finden sich auf www.raa.de/rucksack.html).

Seit März 2008 kommen kontinuierlich neue Teil-Projekte dazu:

  • mit Ihren Fähigkeiten
  • "Mama lernt Deutsch": ein Sprachkurs für Mütter mit paralleler Kinderbetreeung. Das Kurskonzept ist sowohl inhaltlich als auch bezogen auf die Rahmenbedingungen abgestimmt auf die Lebens- und Alltagswelt von Müttern mit kleinen Kindern. Unterrichtet werden die Frauen von einer ausgebildeten Sprachlehrerin.
  • ein wöchentlich stattfindendes interkulturelles Elterncafé als niedrigschwellige Anlaufstelle zur Kontaktförderung, Beratung und Information für Eltern unterschiedlicher Nationalitäten.
  • Ein wöchentlich stattfindendes Sprach-Café für Frauen mit paralleler Kinderbetreuung.
  • Eine Elternschulung zu den Themen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Umgang mit Medien im Juni 2009.
  • Die Mitarbeit bei und Durchführung von verschiedenen größeren Veranstaltungen (Quartiersfest, Flohmarkt, Ferienprogramme für Kinder, Interkulturelle Woche...).
  • Fortbildungen für Fachkräfte - im Dezember 2008 wurde eine Fortbildung zum Thema Interkulturelle Kommunikation im St. Gallus-Kindergarten durchgeführt, weitere Fortbildungen und eine Fachtagung für 2009 sind in Planung.
  • Einzelfallhilfe bei Familien mit besonderem Beratungs- und Förderungsbedarf.
  • Das Projekt "Interkulturelle Nachbarschaftsgärten" ist in Planung.


Alle Projekte werden in Kooperation mit anderen Einrichtungen durchgeführt, um vorhandene räumliche, zeitliche, personelle und fachliche Ressourcen zu bündeln und die Nachhaltigkeit der Angebote von vorne herein abzusichern und möglichst über den Förderzeitraum hinaus zu etablieren.

Kooperationspartner für die Projektarbeit sind die Schulen und Kindertagesstätten im Stadtgebiet Berchen/Öhmdwiesen, die Kirchengemeinden im Quartier, die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe; die offene Kinder- und Jugendarbeit; der Allgemeine Soziale Dienst, die Migrationserstberatungsstellen der AWO und des Caritasverbandes; das Quartiersmanagement; die Volkshochschule Konstanz Singen, Einrichtungen der Gemeinwesenarbeit wie der Treffpunkt Petershausen und der Treffpunkt Cherisy.